Schrägseilbrücke mit Blockträger

Die neue Agger-Querung ist das Herzstück des Radwegkonzepts der Gemeinde Engelskirchen. Die Konstruktion des auf modernen Holzbau spezialisierten Ingenieurbüros Miebach zeichnet sich durch eine Reihe von Besonderheiten aus.

Gekrümmter Brettschichtholzträger

Mitte August hat die Gemeinde im Bergischen Land ihre neue Rad- und Fußwegbrücke offiziell freigegeben. Nach Ansicht von Bürgermeister Dr. Gero Karthaus hat Engelskirchen nun die schönste Brücke im Aggertal.

„Bei der Konstruktion stand vor allem die Nachhaltigkeit im Fokus“, sagt Frank Miebach, Inhaber des gleichnamigen Ingenieurbüros.

So bildet ein mehrfach gekrümmter Brettschichtholzträger aus heimischer Fichte das Haupttragwerk des knapp 35 Meter langen und 2,50 Meter breiten Bauwerks. Er wird zusätzlich von einem Stahlmast mit Schrägstäben unterstützt.

„Diese Hängekonstruktion macht die Brücke absolut hochwassersicher“, erklärt der Ingenieur. Durch die Verkürzung der Einzelspannweiten entsteht eine besonders flache Bauhöhe, sodass im Hochwasserfall ausreichend Platz unter der Brücke bleibt.

Beim Handlauf entschied man sich für ein etwas edleres Material aus acetylierter Kiefer. Wie der Holzträger wurde auch der Handlauf so gestaltet, dass die Konstruktion nahezu wartungsfrei ist: „Die Lebensdauer entspricht der einer Stahlbrücke“, versichert Miebach. Der Brückenbelag aus großformatigen Granitplatten besteht schließlich ebenfalls aus einem natürlichen Baustoff. Er schützt das Tragwerk vor der Witterung.

Konstruktive Feinheiten

Konstruktive Kniffe zeichnen das Bauwerk als besonders innovativ im Holzbrückenbau aus. So erzeugt eine zweiachsig gebogene Holzkonstruktion eine harmonische Form, die den Verlauf der anbindenden Wege sowohl im Grund als auch in der Steigung aufnimmt und ohne Knick miteinander verbindet. Im Bereich der Querträger sind die Holzträger biegesteif über Vollgewindeschrauben verbunden. Eine Auffüllung aus Beton innerhalb der Stahlquerträger dient zugleich als Druckübertragung. Das bewirkt, dass die Brücke eine höhere Steifigkeit erhält und damit weniger anfällig für Schwingungen ist.

Eine weitere Besonderheit: Die hängende Lagerkonstruktion kommt komplett ohne Auflagerbank aus, mit dem Vorteil, dass so jegliche Beeinträchtigung des Holzträgers durch Schmutz oder Feuchtigkeit ausgeschlossen wird. Schließlich sind die Geländer über interagierende Vollgewindeschrauben angebracht, wodurch die Aufnahme von Zug- und Druckkräften einen sehr kompakten Anschluss möglich macht.

Bauherr: Gemeinde Engelskirchen
Objekt- und Tragwerksplanung, Ingenieurbüro Miebach, www.ib-miebach.de
Abmessungen: Länge: ca. 35,55 m, Breite: 2,50 m
Einzelstützweiten: 11,85 m / 11,85 m / 11,85 m
Nutzbreite: 2,50 m

Haupttragwerk: ca. 70 m³ blockverleimtes Brettschichtholz der Festigkeitsklasse GL28h, Holzart heimischer Fichte

Belag: Großformatige Platten aus Granit mit 8,0 cm Stärke, Stöße mit Edelstahlrinnen unterlegt

Geländer: Füllstabgeländer aus Stahl mit Handlauf aus acetyliertem Holz (Accoya)

Mast: ca. 14,0 m hoher Stahlmast als Rundrohr mit Rundstahlabspannungen

Querträger:
Hohlkasten aus Stahl aufgefüllt mit Beton zur
Druckkraftübertragung

Unterbauten:
Flachgründung mit aufgehenden Bauteilen aus glatt geschaltem Beton, Mastpfeiler als Fertigteil hergestellt, Widerlager mit Naturstein verblendet, Rückverankerungen über Mikropfähle

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